Die Oldenburger Meteor-Fahrer M40/4 Meteor, 22.1.98

Ihr Lieben,

Hier ein kurzer Bericht von der Meteor M40/4. Die Anreise verlief ohne Zwischenfaelle. In Frankfurt trafen wir auf 14 andere Fahrtteilnehmer. In Athen wurden wir vom Agenten mit einem Bus abgeholt und nach Piraeus gebracht. Nach einer Stunde waren wir schon wieder aus Griechenland ausgereist, als wir die Passkontrolle passiert und auf der Meteor die Paesse abgegeben hatten.

Meteor in Piraeus

Unsere Alu-Kisten waren heil an Bord. Alle Geraete funktionieren. Ein Problem ergibt sich daraus, dass statt der 10 Kubikmeter-Stickstoffflaschen solche mit 10 Liter Volumen (entsprechend 2 Kubikmeter Gas) angeliefert wurden. Wir hoffen, dass wir von einer anderen Gruppe Argon bekommen koennen. Den Isotopen-Container koennen wir noch nicht benutzen, da der Zaehler noch nicht einwandfrei arbeitet. Es muss erst noch ein Wischtest absolviert werden.

Am ersten Abend haben wir nach Beziehen der schoenen Kabinen (mit Seeblick) unser Labor eingerichtet und alles verlascht (festgezurrt). Am naechsten Morgen ging es nach Fruehstueck (ueppig, wenn man will, jedenfalls gut) und Sicherheitsbelehrung und Fahrtleiterbesprechung um 10 Uhr los Richtung Suedosten - bei Windstaerke 7. Es hat recht nett geschaukelt, und die weiteren Aussichten sind nicht sehr vielversprechend. Andrea hat es zuerst erwischt, dann Joerg, den aber heftiger (hat jetzt ein Pflaster hinter dem Ohr). Marco hat lange noch gearbeitet (er hatte Tablette und Akupressur-Armband) und war auch in der Nacht einsetzbar, obwohl es ihm nicht immer gut ging. Ich hatte nur einen kurzen Output rueckwaerts, habe aber 15 Minuten danach bereits wieder zu Abend gegessen. Henrik hat sich, wenn es ihm nicht gut ging, ruhig gelegt und nur begrenzte Uebelkeit verspuert. Wir sind ja schliesslich nicht zum Vergnuegen da...

Nach dem Abendessen (soweit wir daran teilgenommen hatten) haben wir uns in die Kojen gelegt, wo man es am besten aushaelt und bis Mitternacht sogar ein wenig geschlafen. Um zwei Uhr haben wir die erste Station (830 m tief) erreicht. Eine Stunde zuvor haben Henrik und ich die anderen befragt, ob sie an der ersten Probenahme teilnehmen koennen. Alle wollten und haben. Allerdings lag der gelbgruene Joerg meistens auf dem Fussboden des Labors. Als dann die ersten Multicorer-Kerne hochkamen, enthielten sie leider nicht die gesuchte Sapropel-Schicht. Wir haben dann wenigstens zwei Sauerstoff-Profile in einem Kern gemessen, die durch Vulkansteinchen allerdings gestoert waren. Immerhin: Sauerstoff gibt es bis ca. 5 cm Tiefe! Nach dem Multicorer wurde ein Schwerelot von 12 Metern Laenge gezogen, das aber leider leer war. Um sechs Uhr bin ich dann noch mal fuer eine Stunde in die Koje gegangen, um fuer das Fruehstueck um 7.30 Uhr fit zu sein. Der dritte Kern, ein sogenanntes Kolbenlot kam gut hoch, kann aber nicht an Bord fuer unsere Zwecke geoeffnet werden. So haben wir bisher noch nicht die eingeplanten Proben gewinnen koennen und hoffen auf die zweite Station, die wir in einigen Stunden (jetzt ist es 9.30 Uhr) zu erreichen hoffen. Das Schiff faehrt im Moment ruhiger, da Seitenstabilisatoren eingeschaltet sind.

Jetzt werde ich erst mal den Funker aufsuchen und sehen, dass ich dies als e-mail los werde. Um 10.20 Uhr gibt es die naechste Sicherheitsuebung...

Liebe Gruesse allen Landratten

Heribert

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Meteor, 25.1.98

Ihr Lieben,

ich gebe Euch einen kurzen Sonntagsbericht. Wir liegen auf Station suedwestlich von Kreta. Die Temperatur ist angenehm, vielleicht 12 C. Das Meer ist ruhig, am Himmel sind nur wenige Wolken, die eher afrikanisch als mitteleuropaeisch anmuten. Nach drei meist trueben Tagen mit zahlreichen Gewittern wissen wir das wohl zu schaetzen. Die Seekrankheit ist schnell vergessen. Allerdings ist fuer die naechsten Tage wieder Sturm angesagt. Momentan liegt ueber uns nur ein Hochdruckeil zwischen zwei Tiefs. Gestern um fuenf gab es Sekt, als wir unsere wichtigste Probenahme erfolgreich abgeschlossen hatten. Denoch duerft Ihr sicher sein, dass weiterhin hart gearbeitet wird. So traf ich gestern, als ich morgens um fuenf aufstand, da wir an der naechsten Station eingetroffen waren, Andrea, die in der Nacht noch nicht geschlafen hatte. Jede Nacht wird unterbrochen, da die Inkubation irgendwelcher Ansaetze gestoppt werden muss. Anders als die meistens Geologen an Bord, die ganze Sedimentkerne oder Proben daraus fuer die Analyse zu Hause nehemen, haben wir verschiedene Versuche sofort durchzufuehren. Aber auch spaeter werden wir noch viel zu tun haben. Wir haben haben am Donnerstag und Freitag, eine mehr als 100 000 Jahre alte Sapropelschicht beproben koennen, die nicht ganz unseren Idealvorstellungen entsprach. Aber alle Techniken haben funktioniert. Es liess sich Aktivitaet mit den fluoreszierenden Substratanalogen und mit radioaktiven Isotopen nachweisen. Daraus koennt Ihr auch ersehen, dass die Geraete alle einsatzfaehig sind. Das Pipettieren der MPN-Reihen in der Sauerstoffreien Handschuh-Box ist allerdings sehr muehselig und zeitaufwendig. Die Sauerstoffmessung wird durch das viele Calciumcarbonat und diverse Partikel erschwert. Gestern nun haben wie einen ganzen (laengs halbierten) 6-Meter Kern aus 2100 m Tiefe zur Beprobung bekommen. Wir haben vier verschieden alte Sapopelschichten und vier Zwischenschichten untersucht bzw. Proben daraus aseptisch in verschiedene Ansaetze ueberfuehrt (Gesamtzellzahl mit Acridin-Orange, Lebendzellzahl (MPN), Gesamt-DNA, Biotrap-Extraktion, Aktivitaetsmessung mit drei Substratanalogen (MUF) und mit zwei radioaktiven Substraten (Glucose und Acetat), Kohlenstoffanalyse (TOC), Schwefelanalyse. Ausserdem hat Andrea ein ganzes Kernstueck eingefroren und regelmaessig Porenwasser gepresst. Besonders gut hat sich eine von Joerg ausgedachte Methode zum Herstellen kontaminationsfreier Oberflaechen bewaehrt. Die Stelle, die beprobt werden soll, wir mit Haushaltfolie abgedeckt, darauf kommt fuer 5 Minuten eine Schicht Trockeneis. Dann wird die Folie entfernt und die darunter gefrorene Schicht als Eisscholle abgehoben. Die weitere Analyse der Proben wir die naechsten beiden Tage in Anspruch nehmen. Dann erwarten wir Proben aus einem ganz andersartigen Standort. Das erst 1993 entdeckte Urania-Becken enthaelt in etwa 3500 m Tiefe eine konzentrierte Salzlauge mit drei- bis fuenffacher Mehrwasserkonzentration. Die Salze stammen aus ehemals eingetrocknetem Meersalz (Evaporiten) die ausgespuelt werden. In der Lauge gibt es keinen Sauerstoff aber Sulfid, das in den bisher untersuchten Proben nicht nachweisbar war. Hier wollen wir nicht nur Sediment- sondern auch Wasserproben analysieren.

Liebe Gruesse

Heribert

P.S. Inzwischen ist es doch schon wieder bewoelkt.....

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Windstaerke 9 Meteor 27.1.98

Ihr Lieben,

heute haette ich Zeit, Euch einen ausfuehrlichen Bericht zu schreiben. Neue Proben gibt es naemlich keine. Auch die schon vorliegenden werden nicht weiter bearbeitet. Wir haben all unsere Geraete noch einmal festgezurrt und nach einer Nacht des Wartens auf besseres Wetter die Station Uraniabecken (suedwestlich von Kreta) unverrichteterdinge verlassen und dampfen gen Norden an die Ferse des italienischen Stiefels. Bei Windstaerke 9 ist das trotz Stabilisatoren keine angenehme Reise. Ich weiss auch nicht, wie lange ich vor dem Notebook werde sitzen koennen. Obwohl ich sechs Meter ueber dem Wasser sitze, werden unsere Fenster (etwas vergroesserte Bullaugen) regelmaessig von Wellen geduscht. Selbige sind etwa vier bis fuenf Meter hoch und ueberspuelen regelmaessig Vordeck und Hauptdeck. Unsere Kabine ist die erste vorn und wird deshalb besonders fahrstuhlaehnlich bewegt. Hinzu kommen natuerlich die Schraeglage und die Rollbewegungen seitwaerts, die einen aus dem Gleichgewicht bringen... Natuerlich gibt es wieder reichlich Seekranke an Bord, Marco hatte es gestern. Ihm geht es heute wieder besser. Joerg hingegen ward seit gestern nicht mehr gesehen. Er hat einen ziemlich schwachen Kreislauf.

Die bisher gewonnenen Proben zeigen sehr schoene Aktivitaeten, sowohl mit MUF-Substraten als auch mit markierter Glucose. Die Versuche mit markiertem Acetat werden wir erst in Oldenburg auswerten koennen, da wir Acetat und CO2 nicht trenen koennen. Es zeigt sich aber, dass die Aktivitaeten in den Sapropelschichten sehr viel hoeher sind als in den Lagen dazwischen, die kaum organisches Material enthalten. Die abgetoeteten Kontrollen zeigen niedrige Werte, so dass alles auf mikrobielle Aktivitaet in den mehr als 100 000 Jahre alten Proben hindeutet! Dafuer haben wir alle seit fuenf Tagen meist nur zwei bis vier Stunden Nachtschlaf gehabt. Mit dem Urania-Becken haben wir unsere zweitwichtigste Station erst einmal verpasst. Es koennte aber sein, dass wir sie noch einmal anfahren, wenn die Proben nahe Italien eingefahren sind und das Wetter besser ist. Das wuerde aber bedeuten, dass andere Stationen gekuerzt werden muessten. Denn wir muessen puenktlich in Malaga sein. (Bei genauerer Wetterprognose haetten wir das Warten beim Urania-Becken und somit 12 Stunden sparen koennen.) Trotz allem ist die Stimmung in unserer Gruppe wie die Atmosphaere an Bord insgesamt sehr gut. Man versucht sich gegenseitig zu helfen. Jeder schaut mal bei den anderen herein und laesst sich erklaeren, was untersucht wird. Unser griechischer Gastforscher hat mir eine mehrstuendige Einfuehrung am Polarisations-Mikroskop gegeben, wie man die fossilen Kalkschalen von Mikroalgen (Coccolithen) anspricht und fuer die Datierung von Sedimentproben nutzt. Zum Lesen und Schreiben bin ich (ausser Ausdrucken von Messdaten und Versuchsplaenen) bisher kaum gekommen.

Jetzt wird mir die Schaukelei am Schreibtisch doch zu arg. Ich werde den Computer in der Schublade (mit Riegel) verschwinden lassen und mich auf die Koje legen....

Ahoi!

Heribert

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Sonnenaufgang ueber griechischen Inseln Meteor, 31.1.98

Liebe Landratten,

zum Wochenende einen kurzen Bericht von der Meteor. Nachdem wir vor dem Sturm am Urania-Becken Richtung Italien gefluechtet waren, beruhigte sich das Wasser im Windschatten der Peleponnes recht bald, und wir hatten angenehmes Wetter bei zwei Stationen an der Ferse des italienischen Stiefels. Unterwegs wurden wir von italienischen Hubschraubern ueberprueft. Ohnehin muessen wir unsere Route immer im Vorhinein an die offiziellen Stellen melden melden.

Die Fahrt hin und zurueck nahm jeweils einen ganzen Tag in Anspruch, wobei die Meteor meist mit 12 Knoten (ca. 20 km/h) faehrt. Wir hatten unterwegs zwei wissenschaftliche Vortraege. Es blieb genuegend Zeit, die vielen angefallenen Proben aufzuarbeiten. Stationen und Proben kamen meistens nachts. Ich habe an fast allen mit der Nadelelektrode die Eindringtiefe von Sauerstoff in den Meeresboden gemessen. An regelmaessigen Nachtschlaf war deshalb (jede Nacht bei mehreren von uns) nicht zu denken. Manchmal gehe ich dann, wenn um halb sechs morgens das Profil gemessen ist, in den Fitness-Raum auf den Heimtrainer. Das Essen ist naemlich sehr reichlich, fleischlich, aber lecker, so dass man keinesfalls zu wenig Kalorien bekommt...

Vom Abstecher nach Norden sind wir dann bei ruhigem Wetter an das Urania-Becken westlich von Kreta zurueckgekehrt und haben Wasser und Sedimentproben aus 3500 m Tiefe gezogen. Dabei haben wir 16 Proben aus der Sprungschicht gewonnen, unter der das Wasser etwa dreimal konzentrierter als normales Meerwasser ist. Die Lake entsteht durch Auswaschung von ehemals eingetrocknetem Meersalz (Evaporiten). Dort gibt es auch einen pH-Sprung von 8.5 auf 6, keinen Sauerstoff, und - wenn meine Elektrodenmessungen durch Analyse des gewonnenen Zinksulfids in Oldenburg bestaetigt werden - die hoechsten Sulfidkonzentrationen, die man je in Meerwasser gefunden hat! Mir ist bei der Aufarbeitung der Proben von dem Schwefelwasserstoffgeruch richtig schlecht geworden, so dass ich mich habe abloesen lassen.

Gestern abend gab es dann auch das Bergfest, da wir bereits die Haelfte der Reise hinter uns haben. Angeblich sollen 90 l Bier getrunken worden sein, woran wohl nicht mehr als 30 Leute beteiligt waren. Allerdings waren auch die Mitglieder der Schiffscrew eingeladen. Wir haben ansonsten kaum Alkohol getrunken. Wenn man nur drei Stunden Schlaf hat, darf man die nicht nur dazu nutzen, Alkohol abzubauen.

Momentan dampfen wir Richtung Sizilien, wieder eine Strecke von mehr als 400 km. Wieder werden wir nachts an der naechsten Station ankommen. Das Schiff gleitet wie die Faehre nach Borkum, sogar noch vibrationsaermer. Aber schon ist der naechste Sturm angekuendigt. Wir hoffen, den in Landnaehe ohne Probleme zu ueberstehen...

Soweit fuer heute.

Liebe Gruesse

Heribert

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Plankton-Netz Meteor 3.2.98

Ihr Lieben,

endlich einmal Nachricht aus dem Labor in Oldenburg! Wir haben hier weder Fernsehen noch Radio, nur einmal taeglich einen zweiseitigen Ausdruck mit DPA-Meldungen in der Kantine. Immerhin wussten wir schon, dass Ihr es deutlich kuehler habt als wir. Und wir bedauern Euch darum sehr.

Inzwischen haben wir unsere Position suedlich von Sizilien verlassen und dampfen Richtung Sardinien und Korsika. Es war schon ein schoenes Gefuehl, nachts aus der Koje auf das Meer zu schauen und die Lichter Siziliens vorueberziehen zu sehen. Tagsueber konnte man sogar aus ca. 60 km Entfernung den schneebedeckten Aetna aus dem Dunst ragen sehen.

Das Wetter ist nicht so stuermisch geworden wie vorhergesagt. Es ist aber truebe, nicht kalt und soll Windstaerke 6 bis 7 geben.

Unsere Probenahmen sind nun weitgehend und sehr erfolgreich abgeschlossen. Die meisten Sachen sind leer oder verbraucht. Nur Andrea sammelt noch Oberflaechenproben, und ich messe, wann immer moeglich, Sauerstoffprofile in der Sedimentoberflaeche. Marco ist bei der Auswertung der MUF-Experimente. Joerg und Henrik haben noch eine grosse Serie 14C-Versuche angesetzt, die in dieser Nacht auslaeuft. Dann muessen die vielen Acridin-Orange-Proben ausgezaehlt werden. Grossen Aerger gab es damit, dass unsere Vorgaenger auf dem Schiff radioaktive Proben uebriggelassen haben, die Andrea und Joerg in kleinere Behaeltnisse umfuellen mussten. Wie diese Sachen nach Hause kommen werden, weiss niemand nicht genau. Das gilt leider auch fuer unsere 14C-Proben. Wir werden noch einiges zu erzaehlen haben....

In der letzten Woche muessen ein Fahrtberichte geschrieben und der DFG-Antrag modifiziert werden. Ansonsten hat man sich an das Schiffsleben gewoehnt, empfindet das leichte Schaukeln als angenehm. Alle haben bei 'Max', dem Chinesen, ihre Waesche waschen lassen. Er buegelt vorzueglich, so dass ich an Bord deutlich gepflegter umherlaufe als in der Uni.

Mit der digitalen Kamera habe ich bereits vielleicht 150 Bilder geschossen und sie an einem Computer im Rechnerraum allen zur Verfuegung gestellt. Da herrscht reger Betrieb. Ihr werdet sie dann auch noch zu sehen bekommen.

Soviel fuer heute.

Herzliche Gruesse von uns allen

Euer Heribert

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Überspülte Bordwand Meteor, 4.2.98

Liebe Landratten,

leider muss ich berichten, dass unsere optimistische Wetterprognose noch nicht eingetroffen ist. Nachdem wir die Strasse zwischen Korsika und Sardinien heute bei Sonnenaufgang passiert hatten, frischte der Wind auf 7 bis 8 Windstaerken auf. Da er genau von der Seite kommt, rollt das Schiff heftig. In Momenten starker Schraeglage hoert man ein Gejohle und Geschepper durch das ganze Schiff. Koffer und Stuehle poltern umher. Meine Schreibtischlampe ist trotz gummierten Metallfusses vom Tisch geflogen. Die Stewards giessen in der Kantine Wasser auf die Tischtuecher, damit die Teller nicht rutschen. Dennoch fliegt das Besteck und manches Glas....

Joerg ward noch nicht gesehen. Henrik versorgt ihn mit Zwieback, Apfel und Wasser. Den andern geht's wohl gut. Allerdings ist es sehr anstrengend, auf den Beinen zu bleiben.

Wir koennen heilfroh sein, dass unsere empfindlichen Experimente in der letzten Nacht abgeschlossen wurden.

Liebe Gruesse an alle

Heribert

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Container mit 1 m-Kernsegmenten Meteor, 6.2.98

Ihr Lieben,

zum Wochenende nur einen echten Kurzbericht, denn - ob Ihr's glaubt oder nicht - die Zeit ist knapp. Wir sind eifrigst dabei unseren vorlaeufigen englischen Fahrtbericht zu schreiben. Dazu muessen alle verfuegbaren Daten dargestellt und kurz diskutiert werden. Der Bericht gehoert als Anlage zu unserem Auswertungsantrag an die DFG, der auch hier an Bord noch gruendlich ueberarbeitet und am 13.2. abgeschickt werden soll. Ansonsten geht es uns allen gut. Die ersten Sachen sind schon wieder verpackt. Noch sind an drei Stationen Sauerstoffprofile zu messen. Ausserdem werden die ersten Epifluoreszenz-Zaehlungen nach grossen anfaenglichen Kontaminationsproblemen in Angriff genommen.

Herzliche Gruesse

Heribert

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Einpacken Meteor 8.2.98

Ihr Lieben,

hiermit schicke ich Euch den letzten Bericht von der Fahrt M40/4. Sieben von zwoelf Kisten sind schon wieder gepackt. Der achtseitige vorlaeufige Fahrtbericht mit Abbildungen versehen und fast fertig. Wir sind aus dem Golf von Lyon, wo wir die spanische Kueste sehen konnten, zwischen Menorca und Mallorca hindurchgefahren (nachts, aber man konnte doch beide Inseln erkennen), haben noch eine Stationsreihe bei ruhigem Wetter gehabt und dampfen nun mehr als 30 Stunden 381 Seemeilen Richtung Malaga, wo wir Dienstag morgen um 8 Uhr einzutreffen hoffen. Kurz davor gibt es in der Strasse von Gibraltar noch zwei Stationen, die wir aber nicht mehr beproben werden, da alle Geraete schon verpackt sind. Ausserdem soll es morgen noch einmal Sturm geben. Das erste Tiefenprofil ist ausgezaehlt und gibt vernuenftige Bakterienzahlen! So langsam wird das Angebot an frischem Obst an Bord duerftiger. Auch sollen die Leerdisketten ausgegangen sein, da sich alle heftigst digitale Photos kopieren, von denen ich taeglich ein oder zwei Dutzend nachliefere. Ich schicke anbei eins aus unserem letzten Sturm und hoffe, dass Ihr es auspacken koennt.

Heute vormittag wurde eine Herde Grindwale gesichtet, heute nachmittag Schildkroeten. Ausserdem hat sich eine Brieftaube auf das Schiff verirrt. Seltene Zeichen tierischen Lebens!

Ganz herzliche Gruesse von uns allen, und bis bald

Heribert

Meteor in Malaga